14. Jänner 2026 um 10:24

Was bei Immobilien und Kraftfahrzeugen bereits langjähriger Usus ist, etabliert sich nun auch im Bereich Mode, Kleidung und Alltag. Hatte der Kauf von gebrauchter Kleidung noch bis vor einigen Jahren ein etwas angestaubtes Image oder wurde als finanzielle Notlösung betrachtet, steht dieser mittlerweile für Individualität, Nachhaltigkeit und bewusste Konsumentscheidung.

Immer mehr KonsumentInnen greifen bewusst zu "pre-loved" Kleidung - in Zahlen einer vom Handelsverband in Auftrag gegebenen Studie, bedeutet das, dass 73% der ÖsterreicherInnen bereits Second Hand Artikel gekauft haben und mehr als ein Drittel dies auch weiterhin praktizieren wollen. Besonders gefragt sind dabei Bekleidung, Bücher und Medien, Spielwaren, Möbel sowie Haushaltwaren.

Noch vor dem Preisvorteil gegenüber dem Neuwarenkauf, geben dabei 74% als wichtigsten Kaufanreiz von Second Hand Produkten, den Wunsch an, Gegenständen eine zweite Chance zu geben. Eben diese Intention ist ein zentraler Treiber des Second-Hand-Booms. Immer mehr Menschen hinterfragen, wo Kleidung herkommt, wie sie produziert wird und welche Auswirkungen unser Konsum auf Umwelt und Klima hat. Second Hand bietet hier eine einfache, alltagstaugliche Lösung: Bestehende Kleidung wird weiter genutzt, Ressourcen werden geschont und Müll vermieden – ganz ohne Verzicht auf Stil oder Qualität.

Natürlich spielen auch finanzielle Umstände eine große Rolle. Steigende Lebenshaltungskosten, Inflation und unsichere wirtschaftliche Zeiten führen dazu, dass viele Haushalte bewusster mit ihrem Geld umgehen. Second-Hand-Kleidung ermöglicht es, hochwertige Marken, gute Materialien und oft kaum getragene Stücke zu einem Bruchteil des Neupreises zu kaufen. Besonders Familien profitieren davon, da Kinder schnell aus Kleidung herauswachsen.

Darüber hinaus hat Second Hand sein Image in den letzten Jahren drastisch gewandelt. Heraus aus dem verstaubten Öko-Eck, ist es mittlerweile sehr salonffähig, wenn nicht sogar erwünscht geworden, beim Einkauf auf mehr Nachhaltigkeit zu achten. Vorallem der Vintage Bereich erfährt einen wahren Boom. Exklusive Einzelstücke von hoher Qualität, die so nicht mehr im regulären Handel erhältlich sind, sind zunehmend äußerst begehrt.

Was den Trend zusätzlich noch ankurbelt, ist der Wunsch nach Stärkung des regionalen und lokalen stationären Handels. Der Online Handel ist zwar zahlenmäßig in allen Bereichen überrepräsentiert und der große Umsatztreiber, da ist der Second Hand Bereich keine Ausnahme. Allerdings nutzen immer mehr Menschen, dort wo es die Möglichkeit gibt, das Angebot kleiner lokaler Second Hand Läden. Der große Vorteil den diese haben, ist die Möglichkeit, die Gegenstände auszuprobieren und somit umständliche Retouren zu vermeiden.

Immer mehr Menschen sind nicht nur KundInnen, sondern auch LieferantInnen. Kleidung weiterzugeben, statt sie ungenutzt im Schrank liegen zu lassen, schafft Platz, bringt zusätzliches Einkommen und verlängert den Lebenszyklus der Textilien. Dieses Kreislaufdenken passt perfekt zu den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Der Second-Hand-Boom in Österreich ist kein kurzfristiger Trend. Er ist Ausdruck eines Wertewandels: bewusster konsumieren, nachhaltiger leben und Qualität über Quantität stellen. Second Hand ist angekommen – mitten in der Gesellschaft.